
Im Zuge der sich verschärfenden Finanz- und Bankenkrise brach die Entwicklung in den europäischen Volkswirtschaften im Verlauf des zweiten Halbjahres 2008 deutlich ein. Demzufolge stieg das Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union 2008 lediglich um 0,9 %. Deutschland schnitt mit einem Wachstumsplus von 1,3 % etwas besser ab. Nach Einschätzung der Europäischen Kommission wird sich die Rezession im ersten Halbjahr 2009 fortsetzen und gegen Jahresende eine konjunkturelle Stabilisierung einsetzen. Die Kommission geht davon aus, dass die gesamte Wirtschaftsleistung in der EU im Jahr 2009 um 1,8 % schrumpfen wird und im nächsten Jahr leicht um 0,5 % zulegt. Für Deutschland liegen die Prognosewerte bei -2,3 % für 2009 und +0,7 % für 2010.
Am Arbeitsmarkt, der in der Regel mit zwei bis drei Quartalen Verzögerung auf gesamtwirtschaftliche Veränderungen reagiert, wird die Beschäftigung nach Einschätzung der Europäischen Kommission in diesem Jahr um 1,6 % und im Jahr 2010 um etwa 0,5 % sinken. Deutschlands Arbeitsmarkt wird sich nach der Kommissions-Prognose mit -0,8 % im laufenden und -0,5 % im kommenden Jahr unwesentlich besser entwickeln als der europäische Durchschnitt.
Die Inflationsrate, die letztes Jahr in der Europäischen Währungsunion aufgrund stark gestiegener Energie- und Rohstoffpreise bis auf 4 % (Stand Juli 2008) hochgeschnellt war, hat sich in den letzten Monaten infolge der Rezession deutlich abgeschwächt. Sie lag für das Gesamtjahr 2008 bei 3,3 %. Für 2009 und 2010 wird sie sich nach Einschätzung der Europäischen Kommission deutlich unter 2 % bewegen. Damit eröffnet sich für die Europäische Zentralbank, die den Leitzins aufgrund des Liquiditätsengpasses am Finanzmarkt seit Oktober 2008 bereits von 4,25 % auf 1,5 % gesenkt hat, Spielraum für weitere expansive geldpolitische Maßnahmen.
Der Drei-Monats-Euribor, der aufgrund der Vertrauenskrise am Finanzmarkt Anfang Oktober temporär bis auf 5,4 % angestiegen war, ist bis Ende Januar 2009 auf 2,1 % gefallen. Angesichts der hohen wirtschaftlichen Unsicherheit haben langfristige Staatsanleihen als vergleichsweise risikoarme Vermögensanlage seit Oktober das verstärkte Interesse von Investoren auf sich gezogen; speziell die Verzinsung deutscher Staatsanleihen ist daher im zweiten Halbjahr bis auf 3 % gesunken.